Frank E.P. Dievernich

Frank E.P. Dievernich

Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Frankfurt am Main


Zur Person
Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences sowie Professor für Organisationsberatung und Coaching. Zuvor Professor für Organisation, Führung und Personal sowie Professor für Unternehmensführung an der Hochschule Luzern sowie Berner Fachhochschule. Studium der Betriebswirtschaftslehre sowie Soziologie in München. Promotion an der Universität Witten/Herdecke („Das Ende der Betriebsblindheit“). Post-Doc an der Freien Universität Berlin („Pfadabhängigkeit im Management“). Systemischer Businesscoach und Lehrtrainer. Grundausbildung in systemischer Familientherapie. Managementfunktionen in Industrie und Beratung. Zahlreiche Publikationen zu Management und Organisation. Kolumnist des Wirtschaftsmagazins Bilanz.

Aktuelle Publikation (Auswahl)
Dievernich, F. (2016). Wozu brauchen Führungskräfte überhaupt Beratung? In: H. Roehl/H. Asselmeyer (Hrsg): Organisationen klug gestalten. Stuttgart: Schäfer Poeschel.

Fröse, M./Kaudela-Baum, S./Dievernich, F. (Hrsg.) (2015). Emotion und Intuition in Führung und Organisation. Wiesbaden: Springer Gabler.

Dievernich, F./Tokarski, K./Gong, J. (Hrsg.) (2015). Change Management and the Human Factor. Heidelberg: Springer.

Im Netz
www.dievernich.com

Vortrag im Rahmen der Sektion
“Zweifeln an rationaler Entscheidbarkeit – ein Quantum Trost für Zweifler und Zauderer”
Titel: Befreiungsschläge: Vom organisationalen Zweifel zum Zweifel an der Organisation
Datum: Freitag, 14. Oktober 2016
Uhrzeit: Zwischen 10.00 und 12.00 Uhr (genauere Angaben folgen)

Abstract
Zweifeln ist menschlich. Wo aber ist es die Organisation, das Unternehmen, die Verwaltung, die Schule, um nur ein paar organisationale Gebilde zu nennen, die zweifelt? Wo ist der organisationale Zweifel innerhalb der Organisation verankert? Aus einer anwendungsorientiert-praktischen Perspektive werden exemplarisch zwei Organisationstypen betrachtet: Hochschulen und Unternehmensberatungen. Dabei wird zwangsläufig auf die Kultur und das Selbstverständnis dieser Organisationen eingegangen, die uns einen Hinweis geben, wo nach der Verankerung des Zweifels zu suchen ist. Das reicht aber für einen umfassenden Erkenntnisgewinn nicht aus, sind diese doch ebenfalls eingebunden in das Wissenschafts- und das Wirtschaftssystem unserer Gesellschaft, die dem Zweifel einen bestimmten Platz eingeräumt zu haben scheinen. Der Zweifel präsentiert sich für das Hochschul-, wie für das Beratungswesen als Medium in dessen Raum Entscheidungen, wie Handlungen getroffen und getätigt werden müssen. Damit vor lauter Zweifel dies dennoch nicht unterlassen wird, müssen beide Organisationstypen Mechanismen entwickeln, den Zweifel kurzzeitig als Referenzpunkt zu eliminieren oder zumindest diesen abzuschwächen. Letztendlich, so wird aufzuzeigen sein, ist der Zweifel Stein des Anstoßes für Reflexion, Weiterentwicklung und immunisiert die Organisation gegen eine zu schnelle Überhitzung. Der Zweifel und die Skepsis sind, entsprechend interpretiert, Partner der Organisationsentwicklung und so ernst zu nehmen, wie der Widerstand in einer Organisation, will man mit ihnen fruchtbar arbeiten. Auf Seiten der Person stellen beide den Einwand gegen die Organisation dar. Dieser Beitrag will nun zeigen, dass auch Organisationen über strukturelle Zweifel- und Skepsisoptionen verfügen, um sich zweifelnd an sich selbst auszurichten und weiterzuentwickeln. Das aber ist nur fruchtbar, in dem gleichsam dem organisationalen Erfordernis nachgekommen wird, an entsprechender Stelle sich über den Zweifel hinwegzusetzen, um dann wieder mit dem Zweifeln beginnen zu können. Und wenn das eine Organisation nicht zu leisten vermag, dann kann sie auf jene Organisationen zugreifen, die als Ganzes, zumindest zu Beginn der Beziehung zu ihnen, für den organisationalen Zweifel stehen: Unternehmensberatungen. Gesamtgesellschaftlich kann das durchaus ein Zeichen sein, dass die Zeit reif ist, generell am Konzept der Organisation als Organisationsprinzip zu zweifeln.