Martin Rufer

Martin Rufer

Lic. phil. Martin Rufer, Bern


Zur Person
Ausbildung zum Primarlehrer (1966-70). Studium der Psychologie, Pädagogik und Soziologie mit Abschluss Erziehungsberatung (lic.phil.), Kinder- und Jugendpsychologie (1972-1978). Leitungsteam der Therapeutischen Gemeinschaft Schlüssel, Stiftung Terra Vecchia (1978-1990). 1978-1984 Erziehungsberatung Biel (Prof.R.v.Felten). 1990-1998 Arbeit im kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst Biel (Dr.med.FMH R.Torriani). Aus- und Weiterbildungen in Systemtherapie sowie NLP. Privatpraxis als Psychologe und Psychotherapeut seit 1990 (Therapie, Supervision, Fort- und Weiterbildung). Kursleiter von Fortbildungskursen in systemischer Therapie (Uni Zürich, Basel, FSP, SPV , FMH). Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für systemische Therapie und Beratung (SGS) sowie der Expertenkommission Psychotherapie der FSP. Geschäftsleitung ZSB 2001-2009.

Aktuelle Publikationen (Auswahl)
Rufer, M. (2015). Zur Relevanz von nahen Beziehungen im psychotherapeutischen Prozess. In: Sammet I, Dammann G, Schiepek G, (Hrsg). Der psychotherapeutische Prozess. Forschung für die Praxis. Stuttgart: Kohlhammer.

Rufer, M. (2015). Welche Wissenschaft für welche Praxis? Wie soll das Fremdgehen zusammengehen?. Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung.

Rufer M. & Schiepek G.(2015). Therapie als Förderung von Selbstorganisationsprozessen. Ein Beitrag zu einem integrativen Leitbild systemsicher Psychotherapie. Familiendynamik 39, 326-335

Im Netz
www.zsb-bern.ch

Vortrag im Rahmen der Sektion
“Manual und/oder Bauchgefühl”
Titel: Gibt es eine “Partitur” zwischen Manual und Bauchgefühl?
Datum: Freitag, 14. Oktober 2016
Uhrzeit: Zwischen 10.00 und 12.00 Uhr (genauere Angaben folgen)

Abstract
Im Zentrum einer systemisch-integrativen Theorie der Veränderung stehen nicht der Therapeut, sondern das komplexe Geflecht des therapeutischen Systems und seine selbstorgansierte Dynamik. »Heilen kann nicht mehr als exklusive Leistung einer heilenden Persönlichkeit gedeutet werden kann«, wie Wolfgang Loth es treffend ausgedrückt hat. Zweifel gegenüber manualisierten Therapien sind also angebracht. Die Frage aber bleibt, wie denn Therapeuten und Klienten miteinander ins Spiel kommen. Gilt das Bauchgefühl oder etwas „Drittes“ als Orientierung? Wer oder was sagt uns, dass wir mit dem, was wir in „Therapien machen“ denn auch richtig liegen?
Im Referat wird aufzuzeigen versucht, dass Therapeuten einen konzeptuellen „roten Faden“ brauchen, der ihnen bei der Navigation helfen kann. Insbesondere dann nämlich, wenn leidende Menschen kommen und einfach ihren Problemrucksack ausleeren und dem Therapeuten Einblick in die Alltagsturbulenzen gewähren, ist man gefordert. Im Referat wird „Selbstorganisation“ als ein Denk- und Handlungsmodell vorgestellt, das sich zwar nicht identisch ist mit Systemischer Therapie/ Familientherapie (als Therapieschule), sich aber mit dieser verknüpfen lässt (sozusagen als Verbindung von systemisch mit grossem und kleinem S). Dabei gelten sowohl die Erkenntnisse aus der Wirksamkeitsforschung als auch die „Generischen Prinzipien“ selbstorganisierender Prozesse (Schiepek u.a) als Orientierung bzw. als Filter für prozessadaptives Handeln. Heuristiken, die sich als Leitlinien für den Therapieprozess verstehen und aus der Komplexitätsforschung und der gelebten Praxis abgeleitet sind, werden zur Diskussion gestellt. Solche Heuristiken könnten helfen, in komplexen und auch klinisch relevanten Therapiesituationen den roten Faden nicht zu verlieren. Im Vordergrund stehen die Resonanz und die achtsame Synchronisation zwischen Therapeut und Patient. Vergleichbar mit der Musik handelt es sich um eine „offene Partitur“ (John Cage), die Theorie mit Erfahrungswissen sowie Intuition mit Techniken verbindet und so gewissermassen Noten in Melodien zum Klingen gebracht werden können…
Insbesondere im klinischen Kontext sind Psychotherapeuten als kontextsensible Gesprächskünstler gefragt, die zwar über theoretisches und störungsspezifisches Wissen verfügen, vor allem aber Feedbackprozesse lesen, verstehen und übersetzen können. Nur so wird Resonanz veränderungswirksam und der Therapeut zur passenden Essenz im komplexen Geflecht des therapeutischen Systems.

Leitung des Workshops “Erfasse komplex, handle einfach oder wie man in der Therapie auf den Punkt kommt”
Datum: Freitag, 14. Oktober 2016
Uhrzeit: 14.30 – 16.15 Uhr

Abstract
«Das Einfache ist nicht das Simple, sondern es ist das Komplexe, das sich nichts anmerken lässt», wie der Schweizer Autor Franz Hohler einmal treffend geschrieben hat. Wie aber lässt sich dieses „Einfache“ in Therapie und Beratung umsetzen? Welche Bedingungen sind nötig, damit z.B. der „breaking point“, der bei Klienten/Patienten Veränderungsprozesse in Bewegung setzt, erkannt bzw. angesteuert werden kann?

Aus der Theorie der Selbstorganisation wissen wir, dass der Wandel eine Tür ist, die nur von innen geöffnet werden kann. Anhand ausgewählter Fallbeispiele möchten wir uns in diesem WS auf die Spurensuche machen, wie, wann und wo Wesentliches passiert, das, was Therapeuten und Klienten therapeutischen Wandel anzeigt? Die Theorie der Selbstorganisation (Haken&Schiepek, Kriz, Tschacher u.a.) besagt, dass „Instabilitäten“ (in- und ausserhalb des therapeutischen Systems) Veränderungen einleiten und es diese dementsprechend als „inputsensible Phasen“ zu nutzen gelte. „Generische Prinzipien“ (Schiepek) können dem Therapeuten dabei behilflich sein, sozusagen ein Filter für prozessadaptives und „einfaches“ Handeln.

Welche Rolle kommt dabei dem Therapeuten im Rahmen des komplexen Geflechts eines therapeutischen Systems und seiner selbstorgansierten Dynamik zu? Die Synchronisation und Resonanz zwischen Therapeut und Klient, das Erfassen von verbalen, non- und paraverbalen Feedbacks bilden den zentralen Inhalt der viel zitierten „therapeutischen Beziehung“. In diesem Sinne ist der WS auch verknüpft mit dem Vortrag des Referenten. Allerdings soll im WS der Einblick in die eigene Praxistätigkeit, der anschauliche und gegenseitige Erfahrungsaustausch und damit der Diskurs entlang des Zweifels und der sich stellenden Fragen im Umgang mit „Instabilitäten“ im Klientensystem und Therapieprozess im Vordergrund stehen: Wie deutet sich der Wandel an? Wie und wann komme ich mit meinen Klienten auf den Punkt? Welche „Prinzipien“ sind dabei zielführend? Habe ich dafür (m)einen roten Faden usw.?